Die preußische P8, eine kurze technikgeschichtliche Nachbetrachtung
Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ab Mitte des 19. Jahrhunderts ist eng mit der Geschichte der Eisenbahn, und damit mit der Entwicklung der Dampflokomotive verbunden.
Der Warenaustausch in Deutschland und Europa im Zeitalter der Industrialisierung war eng mit dem Bau neuer, leistungsfähiger Eisenbahnlinien verknüpft. Zu Beginn des 20 Jahrh., als die Massenproduktion von PKW noch nicht begonnen hatte, Fernstraßen noch nicht existierten und die Fliegerei erst in den Kinderschuhen steckte, betrug das Schienennetz in Preußen bereits 33621 Km. Die Transportleistung im Jahr 1900 belief sich auf 14025 Millionen Personenkilometer und 27037 Millionen Gütertonnenkilometer. Der stetig zunehmende Verkehr und die Zunahme der Zuggeschwindigkeiten machten 1905 die Entwicklung schwererer und schnellerer Personenzuglokomotiven erforderlich. Unter der Leitung des damaligen Beschaffungsdezernenten des Eisenbahnzentralamts Berlin, Robert Garbe, wurde von der Berliner Maschinenbau AG, vorm. Louis Schwarzkopf im Jahre 1906 die erste Serie von 10 Fahrzeugen der Baureihe P 8 gebaut.
Bild: Geheimer Baurat Dr Ing. Robert Hermann Garbe ( 1847 - 1932 )
( Foto: Deutsche Maschinentechnische Gesellschaft / Berlin )
Mit dieser Bauart sollte endlich dem von Dipl Ing Wilhelm Schmidt ( 1858 – 1924 ) entwickelten und 1893 patentierten Prinzip der Dampfüberhitzung der Durchbruch gelingen. Mit ihren 1150 PS war sie zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung die stärkste Personenzuglok Preußens. Mit einem Treibraddurchmesser von 1750 mm erreichte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kmh. Der Kesseldruck beträgt 12 Kg/qcm. Bis 1924 wurden 3444 Lokomotiven für die Preußisch – Hessischen Eisenbahnen und die spätere (D)eutsche (R)eichsbahn (G)esellschaft geliefert. Weitere Lokomotiven wurden von anderen deutschen und ausländischen Bahnverwaltungen beschafft, oder in Lizenz produziert. Die Lokomotiven der Baureihe P8 bildeten bis in die 60er Jahre die Stütze im Personenzugverkehr in Deutschland.
Technische Daten:
Spurweite: 1435 mm
Dampfüberdruck: 12 Kg/cm²
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 575 mm
Kolbenhub: 660 mm
Schieberdurchmesser: 220 mm ( Regelkolbenschieber )
Steuerung: Bauart Heusinger, außen
Treib- und Kuppelraddurchmesser: 1750 mm
Laufraddurchmesser: 1000 mm
Radstand Lok: 8350 mm
Radstand Lok und Tender: 15550 mm
Länge über Puffer: 18600 mm ( mit Tender 2`2`T21,5 )
Schornsteinhöhe über Schienenoberkante: 4550 mm
Leergewicht Lok: 96 Tonnen
Dienstgewicht Lok und Tender( mit 2/3 Vorräten): 121 Tonnen
Reibungsgewicht Lok: 51,6 Tonnen
Tender Bauart pr. 2`2`T21,5
Fassungsvermögen des Kohlenraums: 7 Tonnen
Fassungsvermögen des Wasserraums: 21,5 m³
Radstand: 4750 mm
Raddurchmesser: 1000 mm
zu unserer P8 2455 Posen siehe auch hier
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