Tagebuch einer Lokbergung: Die erste Reise nach Bulgarien und Rumänien

Mit Tinos altem Jetta, den ich hier ausdrücklich einmal loben möchte, weil er uns so tapfer bei dieser und einigen nachfolgenden Reisen begleitete, ging es also Richtung Osten. Unser Ziel war Vakarel in der Nähe von Sofia, wo noch drei preußische G 12 überlebt haben sollten. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Arad / Rumänien, und "besuchten" dort das Bw und die Abstellanlagen. Hier bekam ich zum ersten Mal abgestellte preußische P 8 und G 10 zu Gesicht. Aber an einen Ankauf war zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht zu denken. Die rumänische Gesetzeslage erlaubte noch keine Ausfuhr, und wie sollte der Kontakt zur Rumänischen Staatsbahn zustandekommen? Hatten sich doch viele Museumseisenbahner aus ganz Europa bereits vergeblich darum bemüht. Unser Augenmerk richtete sich somit zunächst auf das scheinbar machbare. Wir fuhren nach Sofia zur BDZ, wo wir schon vom dortigen Leiter des Amtes für Maschinenwirtschaft Herrn Dipl. Ing. Kowatschew erwartet wurden. Zusammen mit einem Mitarbeiter der BDZ konnten wir dann nach Vakarel fahren, wo die drei G 12 und eine Tenderlok der BDZ Baureihe 46 (1`F`2 !) abgestellt waren. Vom Zustand der Loks war ich jedoch sehr ernüchtert, da viele Bauteile vor allem des Triebwerks schon einer anderen Verwendung zugeführt worden waren. An einen Transport auf eigenen Rädern war gar nicht zu denken. Deutlich deprimiert kehrten wir nach Sofia zurück. Am darauf folgenden Tag führte unsere Reise nach Stara Zagora. Doch auf halbem Wege dorthin zollten die rumänischen und bulgarischen Straßenverhältnisse ihren Tribut. Die Pleite hatte sich schon seit einiger Zeit durch ein verdächtiges Klickern an einem unserer Hinterräder angekündigt, bis sich dann in einer engen Kurve mit lautem Knall und fast dampflokwürdiger Rauchentwicklung eines unserer Achslager verabschiedete. Nun standen wir auf weiter Flur mitten in Bulgarien ohne weiterkommen. Was blieb uns nun anderes übrig, als unsere Sachen zu packen, und straks in die nächste Ortschaft zu marschieren. Dort konnten wir einen stolzen PKW – Besitzer als Taxifahrer gewinnen, der uns ins Depot nach Stara Zagora brachte. Von dort verständigten wir Herrn Kowatschew, der sofort einen "Hilfzug" beorderte. Ein Mosquitsch – Bus wurde mit ein paar Lokschlossern besetzt, und wir fuhren gemeinsam zurück zu unserem Jetta, der noch nicht, wie eigentlich von mir erwartet, nach Landessitte entsorgt worden war. Zuvor konnte noch schnell ein passendes Kugellager besorgt werden, welches dann vor Ort eingebaut wurde.Dann mußte nur noch... KFZ Mechaniker und Polizisten überlesen diese Zeilen bitte...die Bremsleitung mit einem Stück Lederriemen blindgeflanscht werden, und unsere Reise konnte fortgesetzt werden. Der Jetta hat dann auch bis zu Hause durchgehalten.Von Stara Zagora aus besuchten wir mit einem Freund Kalojanovets und Dimitrovgrad, wo Tino eine nicht normale G 7 erwerben wollte. Danach ging es zurück, über die Brücke in Ruse nach Rumänien und weiter ein Stück durch das Olttal, vorbei an Viseu de Jos, wo im dortigen Gleisdreieck noch einige G 10 und P 8, jedoch schon arg zugerichtet abgestellt waren. Zurück in Deutschland erhob Tinos Jetta Anspruch auf einen neuen Satz Stoßdämpfer, wie fortan nach praktisch jeder unserer kommenden Fahrten.

demnächst weiter zur zweiten Rumänienreise

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